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Ayurveda, Vegetarismus und/oder fleischarme Ernährung

Muss man Vegetarier sein, um einen ayurvedischen Lebensstil befolgen zu können? Diese Frage wird immer wieder gestellt. Mehr Menschen als je zuvor pflegen heute eine bestimmte Ernährungsweise. Sie essen vegan, vegetarisch, glutenfrei, histaminarm etc. Macht es einen Sinn, den Fleischkonsum einfach nur zu reduzieren oder muss man unbedingt Vegetarier sein, um gesund zu leben?

Wie immer gibt es im Ayurveda keine Pauschalantwort für alle Menschen, sondern ein sehr individuelles Bild. Eines ist sicher: Durchschnittlich werden heutzutage zu viele und zu häufig tierische Produkte konsumiert. Das ist ungünstig für die Gesundheit, und auch eine schwere Belastung für die Umwelt.

In den klassischen ayurvedischen Texten werden die Wirkungen tierischer Lebensmittel auf Geist und Körper genau abgehandelt. In früheren Jahrtausenden, in denen Ackerbau und Milchwirtschaft betrieben wurde, wurde generell wenig Fleisch gegessen. Fleisch wurde eher als Medizin eingesetzt, wenn jemand geschwächt oder rekonvaleszent war. Oder Fleisch wurde in der Ernährung eingesetzt, um bestimmte Wirkungen auf den Konsumenten zu haben: der Krieger bekam Fleisch, um aggressiver zu werden, ein schwer arbeitender Handwerker, um mehr Muskelkraft zu entwickeln.

Mit der Verbindung von Ayurveda und Yoga, die möglicherweise vor etwa 2.000-3.000 Jahren stattfand, kamen neue Regeln ins Spiel: Yoga postuliert in seinen Geboten für ein reines Leben „Ahimsa“, das heißt Gewaltlosigkeit. Diese Gewaltlosigkeit bezog sich auch dann auf das Töten von Tieren zu Nahrungszwecken, wenn das an andere Menschen delegiert wurde. Mit der Ausbreitung von Yoga, Buddhismus und Hinduismus, galt es als unrein und unethisch, Fleisch von getöteten Tieren zu essen.

Wer kann aus der Sicht der Ayurveda-Medizin nun Fleisch essen?

Kleine Portionen Fleisch oder auch Suppen aus wenig Fleisch, Knochen und Knochenmark werden im Ayurveda zur Stärkung eingesetzt, wenn auszehrende Krankheiten durchlaufen wurden oder wenn besondere Leistungen und Anstrengungen bevorstanden oder erledigt wurden.

Aus Sicht der Konstitutionslehre sind es vor allem Menschen mit Pitta-Dominanz, die einen starken Fleischhunger haben. Sie fühlen sich schwach und nicht in der Lage, Spitzenleistungen zu bringen, wenn Sie nicht zumindest ein- oder zweimal pro Woche Fleisch bekommen. Für Menschen mit Vata-Konstitution sind vor allem Suppen aus ausgekochten Tierknochen eine stärkende Medizin. Am wenigsten sind Menschen mit Kapha-Dominanz auf Fleisch in ihrer Ernährung angewiesen.

Wie oft soll man Fleisch essen?

Dazu gibt es keine generellen Empfehlungen im Ayurveda. In der modernen Demenz- und Anti-Aging-Forschung wird postuliert, dass bis zu zwei Portionen Fleisch und zwei Portionen Fisch pro Woche günstig sind für die Versorgung mit Vitamin B12, wertvollen Eiweißbausteinen und Fetten (Omega 3 Fettsäuren im Fisch). Vor verarbeiteten Fleischprodukten wie Wurst, Leberkäse etc. wird in der naturheilkundlich orientierten  Ernährungslehre völlig abgeraten.

Wenn man sich dazu entscheidet, Fleisch oder Fisch zu essen, sollte man sich unbedingt der Quelle bewusst sein. Alles sollte Bio sein und zum Ursprung zurückverfolgt werden können.

7 Vorteile von Vegetarismus (und stark reduziertem Fleischkonsum)

1.     Reduzierter Co₂-Fußabdruck 

Fleisch-vs-vegetarischDer Co₂ Fußabdruck ist ein Maß für die Umweltbelastung, die ein Mensch bewirkt. Den Co₂ Fußabdruck zu reduzieren ist ein Gebot der Zeit. Der durchschnittlich hohe Fleischkonsum heutzutage ist nur mit extrem umweltbelastenden Importen von Getreide, Hülsenfrüchten und Massentierhaltung zu bewältigen. Das Methangas, das durch die Verdauung von Zuchttieren entsteht, leistet prozentuell einen sehr hohen Anteil an der globalen Erwärmung.

Jeder Mensch in den Überflussländern, der zumindest 1-2 fleischlose Tage pro Woche einhält, trägt dazu bei, die Umweltbelastung zu senken. Weitere Faktoren aus der Viehzucht, die die Umwelt stark belasten, sind die Ausbringung von Gülle in die Gewässer, die zur Veralgung von Flüssen und Meeren führt und der massive Einsatz von toxischen Herbiziden und Pestiziden in der Produktion von Tierfutter.

Tragen auch Sie mit fleischlosen Tagen dazu bei, diesen Umweltwahnsinn zu reduzieren!

2.     Leichtigkeit in Geist und Körper

In unserer hektischen Welt lassen viele Berufstätige das Mittagessen aus, weil sie sich danach schwer und müde fühlen. Laut Ayurveda ist das Mittagessen die wichtigste Mahlzeit des Tages, weil sie zur Zeit der größten Kraft des Verdauungsfeuers Agni eingenommen wird. Fleisch ist jedoch deutlich schwerer verdaulich als pflanzliche Nahrungsmittel und führt deswegen auch wesentlich mehr zum nachmittäglichen Leistungstief.

Ein gekochtes vegetarisches Mittagessen, das ausgewogen ist und alle 6 Geschmacksrichtungen enthält, überlastet das Verdauungssystem nicht und bewirkt deswegen auch kaum Müdigkeit nach dem Essen. Auch wenn Sie nur eine kurze Mittagspause haben, sollten Sie diese dazu nützen, ein leichtes vegetarisches Mittagessen zu sich zu nehmen. Eine große Hilfe kann dazu unser Thermos-Menü sein, das in einer sehr kurzen Zubereitungszeit hergestellt werden kann.

3.     Ethische Orientierung

Der hohe Fleischkonsum ist mit einer unvorstellbaren Anzahl von getöteten Tieren verbunden. Für jeden Österreicher werden statistisch gesehen pro Jahr weit mehr als 100 Tiere zu Ernährungszwecken getötet. Das sind insgesamt eine Milliarde Tiere pro Jahr nur für Österreich. Tierschützer verurteilen jeden, der ein Kätzchen quält oder ein anderes niedliches Tier misshandelt, aber diese Art der Massentötung wird kaum angeprangert.

Auch wenn in modernen Schlachthöfen hygienische Bedingungen herrschen und die Tötung schnell und schmerzlos vor sich geht, ist mit diesen Massentötungen unglaubliches Leid verbunden.

Menschen mit einem etwas weiteren Horizont sollten sich dessen bewusst sein und ihr Essverhalten so ausrichten, dass möglichst wenig Leid und Tötung auf dieser Welt verursacht wird.

4.     Weniger Toxine in der Nahrung

Das große Angebot an kostengünstigem Fleisch und Fisch beruht auf extensiver Landwirtschaft und Massentierhaltung. Für beide Formen der Landwirtschaft werden reichlich Substanzen verwendet, die für Mensch und Umwelt giftig sind. Auch wenn in Österreich durch das Glyphosat-Verbot eine toxische Substanz weniger verwendet wird, ist das Problem mit Umweltgiften nicht gelöst sondern nur verschoben. Solange nicht überall ehrliche Bio-Landwirtschaft in Getreide und Viehzucht betrieben wird, muss man auf andere giftige Substanzen ausweichen, weil extensive Landwirtschaft ohne diese Mittel nicht möglich ist.

Wer weniger Fleisch isst, sollte ausschließlich auf Bio-Produkte ausweichen, um dadurch sich selber zu schützen und eine Landwirtschaft zu fördern, die die Natur respektiert und die mit den Gesetzen der Natur arbeitet.

5.     Weniger Beschwerden, die durch vermehrtes Pitta ausgelöst werden

Laut Ayurveda haben Fleisch und Fisch erhitzende Eigenschaften. Dabei wirken rotes Fleisch und tropische Fische noch mehr erwärmend als weißes Fleisch und Kaltwasser-Fische. Wenn im Sommer in der Natur mehr Pitta vorhanden ist, merken die meisten Menschen, dass sie weniger Appetit auf schwere Fleischspeisen haben. Das ist ein Zeichen davon, dass ein natürliches Gespür für die Bedürfnisse des Körpers vorhanden ist.

Menschen mit Pitta-Ungleichgewicht sollten immer wieder bewusst tage- und wochenweise fleischlose Ernährung zu sich nehmen, um ihre Balance nicht zu sehr zu gefährden.

6.     Weniger Beschwerden im Menstruationszyklus und in der Menopause

Viele Beschwerden im Zusammenhang mit Menstruation und Menopause sind durch ein Ungleichgewicht von Pitta bedingt. Dazu gehören zum Beispiel starke Blutungen, Entzündungen in den Unterleibsorganen, Endometriose und die berühmten Hitzewallungen in der Menopause.

Eine milde fleischlose Kost hilft, alle diese Beschwerden deutlich zu reduzieren.

7.     Weniger Entzündungen in Gelenken, Weichteilen und Nervensystem

Alle tierischen Fleischprodukte enthalten Arachidonsäure. Diese Fettsäure wirkt im Körper als entzündungsfördernd und kann Entzündungsprozesse zum Beispiel bei Gelenkserkrankungen auslösen oder verstärken. Wer also an Abnützungserscheinungen der Gelenke oder anderen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises leidet, sollte unbedingt auf eine fleischlose Diät achten, um die Zufuhr der entzündungsfördernden Arachidonsäure zu stoppen. Auch entzündliche und degenerative Erkrankungen des Nervensystems, wie Demenz, werden durch Arachidonsäure ausgelöst und unterhalten. Eine rein oder zumindest überwiegend pflanzliche Kost ist Voraussetzung für gesunde Gelenke und wachen Geist im höheren Lebensalter.

Aus der Verdauung von tierischem Eiweiß entsteht im Körper Harnsäure. Vor allem Menschen mit Pitta-Überschuss speichern diese Substanz in Gelenken und Weichteilen ab. Das führt dann zur echten Gicht, einer extrem schmerzhaften Gelenkserkrankung. Bei erhöhter Harnsäure und Gicht ist unbedingt auf eine extrem fleischarme oder fleischlose Ernährung und auf Alkoholverzicht zu achten.

Zusammenfassung

Mäßiger Konsum von biologischem Fleisch ein- bis zweimal pro Woche und Fisch (ein- bis zweimal pro Woche) wird im Ayurveda als „Medizin“ akzeptiert, um bei körperlich anstrengenden beruflichen oder sportlichen Tätigkeiten die Energie aufrecht zu erhalten. Bei krankheitsbedingten Schwächezuständen werden in den klassischen Texten Suppen aus Tierknochen (mit Mark) beschrieben. Der übermäßige Fleischkonsum, der nur durch umweltschädliche Intensivlandwirtschaft mit Massentierhaltung und unethische Massentötungen von Tieren aufrecht zu erhalten ist, ist aus ayurvedischer Sicht abzulehnen.

Aus ethischen, gesundheitlichen, aber auch aus umweltschützerischen Gründen ist eine völlig fleischlose Kost zu rechtfertigen. Das ist ein „Kann“, aber nicht ein „Muss“ für die Menschen, die einen ayurvedischen Lebensstil pflegen möchten.

Nehmen Sie sich im Urlaub Zeit, um Ihren eigenen Fleischkonsum und Ihr Essverhalten kritisch zu überdenken!

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